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last update 2017-04-29 10:06:43
   
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Es gilt heute als gesichert, dass neben unserem Einkommen vor allem die Struktur und Qualität unseres sozialen Umfeldes unsere Gesundheit in allen Lebensphasen bedingt und beeinflusst. Aber auch andere wichtige Determinanten unserer Gesundheit wie Erbgut, Bildung, Gesundheitsverhalten, Beschäftigungsstatus, sowie Qualität unserer Umwelt liegen außerhalb des klassischen Gesundheitssektors mit seinen primären, sekundären und tertiären Versorgungseinrichtungen.


Mit Health Impact Assessment (HIA) steht der Politik ein Konzept / Werkzeug / Prozess zur Verfügung, das/der diesen Erkenntnissen im Kontext der demografischen, epidemiologischen, technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen des 21. Jahrhunderts Rechnung trägt. Definition In der Literatur finden sich viele Definitionen, die HIA entweder als Konzept, Prozess und/oder Werkzeug beschreiben. Am häufigsten verwendet wird folgende Definition aus dem „Gothenburg Consensus Paper“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO):


“HIA is a combination of procedures, methods and tools by which a policy, programme or project may be judged as to its potential effects on the health of a population, and the distribution of those effects within the population”
Die GFA-Unit der Gesundheit Österreich GmbH verwendet folgende Definition:
"GFA ist ein Instrument zur systematischen Analyse und Bewertung geplanter politischer Vorhaben hinsichtlich ihrer möglichen positiven und negati- ven Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und dient der Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik."

Die wesentlichen Elemente von HIA sind gemäß der WHO Definition:
  • Berücksichtigung der Evidenz über die zu erwartenden Auswirkungen einer politischen Entscheidung, eines Programms, oder Projekts auf die Gesundheit der Bevölkerung
  • Berücksichtigung der Meinungen, Erfahrungen und Erwartungen jener, die durch eine politischen Entscheidung, ein Programm, oder ein Projekt direkt oder indirekt betroffen sind
  • Zur Verfügungstellung vermehrter bzw. ausreichender Information für EntscheidungsträgerInnen und Öffentlichkeit in Bezug auf die Gesundheitseffekte einer politischen Entscheidung, eines Programms, oder eines Projekts
  • Vorschläge für Anpassungen/Möglichkeiten/Alternativen, um die positiven Gesundheitseffekte einer politischen Entscheidung, eines Programms, oder eines Projekts zu maximieren und die negativen zu minimieren.
How to do it?


Es gibt viele Leitlinien für die Durchführung eines HIA. Alle beschreiben vier Prozessstadien, die in jedem HIA enthalten sind und iterativ, d.h. schrittweise, überlappend und im Bedarfsfall wiederholend, durchgeführt werden müssen.
  • Selektion („screening“)
  • Abgrenzung („scoping“)
  • Bewertung („appraisal“)
  • Berichterstattung und Evaluierung („reporting and evaluation“)

Screening


Ziel des „screenings“ ist es jene Entscheidungen, Programme, oder Projekte zu selektieren, von denen Auswirkungen auf die Gesundheit zu erwarten sind. Dieser Prozess sollte einer transparenten Methodik folgen, z.B. einer in den Leitlinien angebotenen Checkliste. Das Resultat dieses ersten Schritts eines HIA kann folgendermaßen ausschauen:
  • Es ist notwendig ein HIA durchzuführen
  • Es ist nicht notwendig ein HIA durchzuführen
  • Es kann keine eindeutige Entscheidung getroffen werden und das „screening“ wird z.B. mit mehr Information wiederholt
Je mehr internationale Erfahrungen in Form von Datenbanken zur Verfügung stehen desto häufiger kann es vorkommen, dass es nicht notwendig ist ein HIA durchzuführen da die Gesundheitseffekte und ihre Beeinflussung bekannt sind und Empfehlungen direkt gegeben werden können bzw. nur an nationale oder regionale Besonderheiten adaptiert werden müssen.


Scoping


Dieser Schritt bestimmt die Rahmenbedingungen und den Umfang des HIA. Beides wiederum hängt v.a. von den organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten ab. Essentielle Bestandteile des „scopings“ sind:
Erstellung eines HIA Projektplans inklusive Organigramm, Zieldefinition, Stakeholder Analyse, Zeit- und Kostenplan, etc.
Nach Möglichkeit Miteinbeziehung der Auftraggeber bzw. EntscheidungsträgerInnen
Entscheidung über die Bewertungsmethodik und den Umfang des HIA
Identifikation der wesentlichen Gesundheitsdeterminanten, die durch eine politischen Entscheidung, ein Programms, oder ein Projekt betroffen sein könnten


Appraisal


Es kann zwischen „rapid or desktop appraisal“, „intermediate appraisal“ und „comprehensive appraisal“ unterschieden werden.
Die Mehrzahl der bisher durchgeführten HIAs waren „rapid appraisal“. Diese relativ rasche und kostengünstige Variante entspricht am ehesten der politischen Realität in der Entscheidungshilfen rasch verfügbar sein müssen.
Unabhängig davon, ob das HIA innerhalb von Tagen oder über Monate durchgeführt wird, sollten folgende Qualitätskriterien eingehalten werden:
  • Interdisziplinäre Zusammensetzung der Arbeitsgruppe
  • Einbeziehung von Personen mit Public Health und/oder HIA Ausbildung
  • Verständnis aller Gesundheitsdeterminanten und Verwendung eines umfassenden Gesundheitsbegriffes, v.a. in Bezug auf die ungleiche Verteilung von Gesundheitschancen
  • Bevölkerungsperspektive (Public Health Perspektive)
  • Einbindung in die internationalen HIA Netzwerke, um die vorhandene Evidenz zur Fragestellung rasch und umfassend verfügbar zu haben
  • Verwendung international anerkannter Bewertungstools Erfahrung in der Anwendung quantitativer und qualitativer Methoden und des Projektmanagements
  • Offene, transparente Gestaltung des Prozesses unter Einbeziehung einer informierten und interessierten Öffentlichkeit
Reporting und Evaluation


Der Abschlussbericht an den/die Auftraggeber sollte enthalten:
  • Beschreibung des HIA Prozesses inkl. einer Beschreibung der involvierten Personen, Organisationen und verwendeten Ressourcen
  • Beschreibung der verwendeten Methoden
  • Beschreibung der positiven und negativen Gesundheitseffekte
  • Beschreibung der möglichen Gewinner und Verlierer
  • Empfehlungen und Entscheidungsalternativen, um die positiven Gesundheitseffekte zu maximieren und die Negativen zu minimieren
Der Kommunikation des Abschlussberichtes an den/die Auftraggeber bzw. politischen Entscheidungsträger kommt eine Schlüsselrolle zu. Deshalb sollte dieser Schritt exakt geplant werden und im Bedarfsfall unter Einbeziehung von Mediatoren durchgeführt werden.
Die Evaluierung eines HIA folgt den dafür üblichen Standards der Formativen-, Prozess- und Ergebnisevaluierung.
Wichtig ist es darauf hinzuweisen, dass ein HIA trotz seines umfassenden Ansatzes nur die Gesundheitseffekte einer Entscheidung, Programms, oder Projekts beurteilt und beschreibt. Nur in Kombination mit der Beurteilung und Beschreibung anderer evtl. zu berücksichtigender Aspekte, z.B. ökonomischer, ökologischer, Gender Aspekte, ergibt sich das komplette Bild.


Zusammenfassung


HIA hat sicher das Potential ein viel versprechendes(r) Konzept / Werkzeug / Prozess für evidenzbasierte politische Entscheidungen unter Berücksichtigung der zu erwartenden Gesundheitseffekte zu werden. HIA könnte die bereits zunehmende Berücksichtigung sozialer Gesundheitsdeterminanten und die Verwendung eines umfassenden Gesundheitsbegriffes unterstützen und somit dazu beitragen die Ungleichheit der Verteilung von Gesundheitschancen in der österreichischen Gesellschaft zu minimieren.
  Download - Konzept zur Etablierung von HIA.pdf  2629 Kb [back]  


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